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Das M24 Musée in Le Mans – Die Geschichte hautnah erleben

  • thereserotschne
  • 26. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

Therese Rotschne I Besuch 28. Juni 2026 Re-Opening


Es gibt Orte, die man nie vergisst – und dann gibt es Orte, an die man immer wieder zurückkehren muss. Das M24 Musée in Le Mans ist genau so ein Ort. Ich hatte das große Privileg, das frisch wiedereröffnete Museum gleich am ersten Tag zu besuchen und als eine der ersten Personen durch die neuen Hallen zu wandeln.

Und ich kann es vorwegnehmen: Was schon zuvor beeindruckend war, hat sich noch einmal gewaltig gesteigert.



Wo Legenden lebendig werden

Wer den Motorsport liebt, spürt es schon beim Betreten: Hier atmet jede Faser Geschichte. Le-Mans-Fahrzeuge, ikonische Rennwagen, Prototypen und Klassiker reihen sich aneinander – eine Zeitreise durch Jahrzehnte des 24-Stunden-Rennens. Man weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll.



Eine Ehrung, mit österreichsicher Note

Besonders berührt hat mich die Würdigung zweier österreichischer Ausnahmefahrer: Jochen Rindt und Niki Lauda werden hier gebührend geehrt. Als Österreicherin bekommt man in diesem Moment eine Gänsehaut. Jochen Rindt wurde sogar mit einer eigenen, atemberaubend inszenierten Racing-Track-Installation bedacht – eine Hommage, die seine Klasse und seinen Mut auf einzigartige Weise einfängt.

Jochen Rindt gewann Le Mans 1965 – zusammen mit Masten Gregory auf einem Ferrari 250 LM des North American Racing Teams (NART). Es war ein Sensationssieg gegen die Werksteams.

Niki Lauda hat Le Mans dagegen nie gewonnen. Er war einer der ganz Großen der Formel 1 (dreifacher Weltmeister), stand aber nie auf dem obersten Podest von Le Mans.




Emotion, Ausdauer, Siege

Am Ende ist Le Mans genau das: Emotion, Ausdauer, Siege. Es ist der Schweiß von 24 Stunden am Limit, der Jubel nach durchfahrener Nacht, die Tränen der Erschöpfung und des Triumphs. Dieses Museum fängt all das ein – die grenzenlose Leidenschaft, den unbändigen Willen und die unvergesslichen Momente, in denen aus Fahrern Legenden wurden. Man verlässt die Hallen nicht einfach nur beeindruckt, sondern zutiefst berührt.



Ferrari in Le Mans – die Rückkehr einer Legende

Die Geschichte von Ferrari in Le Mans ist eine der ruhmreichsten des gesamten Motorsports. In den 1960er-Jahren dominierte die Scuderia die 24 Stunden nach Belieben und gewann zwischen 1960 und 1965 sechs Ausgaben in Folge. Der letzte dieser Triumphe gelang 1965 mit dem Ferrari 250 LM – ausgerechnet jenem Sensationssieg von Jochen Rindt. Danach zog sich Ferrari aus der obersten Klasse des Langstreckensports zurück und konzentrierte sich über Jahrzehnte auf die Formel 1 und die GT-Kategorien.

Ein Gesamtsieg in Le Mans blieb – unglaubliche 58 Jahre lang – aus.

Umso gewaltiger war das Comeback: 2023, zum 100. Jubiläum des Rennens, kehrte Ferrari mit dem brandneuen 499P in die Hypercar-Klasse zurück – und gewann gleich beim ersten Anlauf. Ein Gänsehaut-Moment für die gesamte Motorsportwelt. Und es blieb nicht bei diesem einen Triumph: Ferrari siegte auch 2024 und 2025 – drei Gesamtsiege in Folge, erstmals seit den goldenen Sechzigern. Damit darf die Scuderia die Siegertrophäe für immer behalten. Der 499P schrieb Geschichte und bleibt in Le Mans bislang ungeschlagen.



Werkstatt live – clean, cool und faszinierend

Ein Highlight für jeden Technik-Enthusiasten: Die Live-Werkstätte. Clean, cool und voller Wahnsinns-Autos. Hier sieht man nicht nur die Fahrzeuge, sondern erlebt, wie sie gepflegt, restauriert und am Leben gehalten werden. Motorsport zum Anfassen – so muss ein modernes Museum sein.



Perfektion im Detail

Und dann diese Modelle. Atemberaubende Miniaturen von wirklich jedem Fahrzeug, das jemals in Le Mans an den Start ging – und das exakt in der originalen Lackierung. Für Sammlerherzen wie meines ist das ein wahres Paradies. Man könnte Stunden damit verbringen, jedes einzelne Detail zu entdecken.



Stil, der Geschichte schrieb

Ein besonderes Augenmerk verdient auch die Mode: Die originalen Rennanzüge sind hier gekonnt in Szene gesetzt – und man kann nur staunen. Diese Schlichtheit, diese Coolness, von der man heute nur träumen kann. Kein überladenes Sponsoren-Wirrwarr, sondern klare Linien, edle Materialien und eine Eleganz, die den Fahrern dieser Ära etwas geradezu Zeitloses verleiht. Motorsport war eben nie nur Technik – er war immer auch Stil.



Der Ferrari Race Truck

Ein absolutes Meisterwerk der Inszenierung: der originalgetreu nachgebaute Ferrari Race Truck. So detailverliebt und authentisch umgesetzt, dass man wirklich das Gefühl hat, mitten im Fahrerlager zu stehen. Ein atemberaubender Renn-LKW, umgeben von Motoren und Mechanikern – und über allem wacht Enzos prüfender Blick. Man spürt förmlich die Spannung, das Öl in der Luft, die konzentrierte Betriebsamkeit vor dem großen Rennen. Hier wird Geschichte nicht erzählt, sondern erlebbar gemacht. Einfach atemberaubend.



Gänsehaut pur – mittendrin statt nur dabei

Und dann dieser Moment, der einem den Atem raubt: Man blickt auf die moderneren Le-Mans-Boliden von hinten – und plötzlich zieht einen die Cockpit-Perspektive komplett in ihren Bann. Es fühlt sich an, als säße man selbst im Rennwagen, die Strecke rast heran, die Ideallinie zieht sich vor einem auf. Für einen Augenblick ist man kein Besucher mehr, sondern Pilot auf der legendären Piste von Le Mans.

Das ist genau die Magie, die dieses Museum ausmacht: Es zeigt die Fahrzeuge nicht nur – es lässt einen das Rennen spüren. Pure Gänsehaut. 🏁



Ein Plausch, der alles noch besonderer machte

Was diesen Besuch für mich endgültig unvergesslich gemacht hat, war ein persönlicher Moment: ein netter Plausch mit Museumsdirektor Fabrice Bourrigaud. Mit spürbarer Leidenschaft erzählte er von der Vision hinter dem neuen M24 Musée, von der Liebe zum Detail und dem Herzblut, das in jeder Ecke dieses Hauses steckt.

Es sind genau diese Begegnungen – von Enthusiast zu Enthusiast – die ein großartiges Museum in ein außergewöhnliches Erlebnis verwandeln.


Merci, Fabrice, und merci, Le Mans. Ich komme wieder. 🏁




Die österreichischen Gesamtsieger in Le Mans:

  • Jochen Rindt – Sieg 1965 (Ferrari 250 LM, mit Masten Gregory)

  • Helmut Marko – Sieg 1971 (Porsche 917, mit Gijs van Lennep; legendärer Distanzrekord)

  • Alexander Wurz – zweifacher Gesamtsieger (1996 mit Porsche/Joest, 2009 mit Peugeot); 1996 jüngster Le-Mans-Sieger überhaupt


Weitere namhafte österreichische Teilnehmer:

  • Niki Lauda – F1-Weltmeister, in Le Mans gestartet, jedoch ohne Gesamtsieg

  • Jo Gartner – 1986 in Le Mans tödlich verunglückt

  • Gotfrid Köchert – der „rasende Juwelier", erster Österreicher nach dem Zweiten Weltkrieg in Le Mans (Ferrari 500 TRC)

  • Dieter Quester – vielfacher Langstrecken- und Le-Mans-Starter

  • Walter Lechner sr. – diverse Le-Mans-Einsätze im Porsche

  • Franz Konrad – langjähriger Sportwagen- und Le-Mans-Pilot

  • Richard Lietz – Porsche-Werksfahrer, vielfacher Starter und GT-Klassensieger

  • Horst Felbermayr sr. & jr. – das oberösterreichische Vater-Sohn-Gespann (LMP2/GT)

  • Martin Ragginger, Dominik Kraihamer, Norbert Siedler, Klaus Bachler – moderne Langstreckenfahrer

  • Ferdinand Habsburg – aktueller Hypercar-Fahrer (Alpine), mit Chance auf den Gesamtsieg





FOTO Therese Rotschne Leica D-Lux 7

TEXT Therese Rotschne

26.7.26



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